Evangelisch-Lutherisch

Für manche ist das Luthertum kaum mehr als nur eine deutsche Form des Protestantismus. Allerdings kommt der lutherischen Wiederentdeckung der Rechtfertigung des Sünders um Christi willen eine Bedeutung zu, die weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht und auch weit mehr zu sagen hat, als das, was noch in der Protestation zu Speyer von 1527 gesagt werden musste.

Auf den folgenden Unterseiten erfahren Sie etwas mehr über

  • das besonders herrliche Licht des Luthertums, nämlich die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium
  • die Rechtfertigungslehre, den zentralen Glaubensartikel des Luthertums
  • die lutherische Konkordie, unser einträchtiges Bekenntnis
  • D. Martin Luther, den berühmten Reformator und Namenspatron der evangelisch-lutherischen Kirche
  • das Luthertum in Amerika

D. Martin Luther (1483–1546)

Martin Luther hieß ursprünglich Martin Luder. Wie viele seiner Zeitgenossen änderte er später seinen Namen zu einer gräzisierten Form, nämlich zu „Luther“, angelehnt an das griechische (ἐλεύθερος, „frei“). Sein Lebensweg ist in vielen Biographien und Filmen beschrieben, allerdings zumeist mit Akzent auf seinen persönlichen Glaubensweg. Die für die Reformation wohl bedeutendste Stellung hatte er seit 1512 inne, und zwar als Doktor und Professor der Theologie in Wittenberg. Vereidigt auf die Heilige Schrift widmete er sein ganzes Leben der reinen Auslegung des göttlichen Wortes in Gesetz und Evangelium, was letztendlich zur Reformation der Kirche in Sachsen und anderen Ländern führte. Seither wird Luthers in der evangelischen Kirche als Kirchenlehrer und Prediger des Evangeliums gedacht.

Die Rechtfertigungslehre

Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern daß wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Christi willen durch den Glauben, wenn wir glauben, daß Christus für uns gelitten habe und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott als Gerechtigkeit vor sich halten und zurechnen, wie Sankt Paulus sagt in Röm 3 und 4.

Augsburgisches Bekenntnis, Artikel IV

Die Rechtfertigungslehre ist keine Erfindung der Lutheraner, sondern christliches Glaubensgut von Anfang an. Als solches ist sie bereits im Römerbrief des Paulus zu finden, wo ausdrücklich auf den Zusammenhang von Adam und Christus verwiesen wird: Während die Menschheit in Adams Ungehorsam von Gott abfiel, und seither keine natürliche Furcht und Liebe zu Gott hat, wird allen denen, die glauben, dass Christus für sie am Kreuz gestorben ist, das ewige Heil dennoch verheißen.

Anders als in so mancher anderen Konfession lehrt das Luthertum daher, dass Christen beides zugleich sind: Sünder und Gerechte. Sie sind und bleiben Sünder, weil ihre Natur verdorben ist, weshalb sie auch nach der Taufe die Gnadenmittel als Medikamente brauchen. Zugleich sind sie aber auch gerechtfertigt vor Gott, wenn sie denn glauben, dass Christus für sie gestorben ist. Dieser Glaube wird durch die Predigt vom Heiligen Geist gewirkt und führt langsam, aber bestimmt zu einem Leben in Heiligkeit.

Gesetz und Evangelium

Denn der Unterschied zwischen dem Gesetz und Evangelium ist die höchste Kunst in der Christenheit, die alle und jeder, die sich des christlichen Namens rühmen oder annehmen wollen, können und wissen sollen. Denn wo es an diesem Stück mangelt, da kann man einen Christen von einem Heiden oder Juden nicht unterscheiden; so ernst ist es mit diesem Unterschied.

Martin Luther, Predigt zu Gal 3,23–29 (1532)

Nicht nur das amerikanische Rechtssystem bedient sich zweier verschiedener Behörden, sondern auch das Wort Gottes hat zwei grundverschiedene „Ämter“. Als Gesetz zeigt es dem Menschen, dass er beständig gegen Gottes unwandelbaren Willen handelt und bricht damit dessen sündhaften Hochmut. Danach verheißt es im Evangelium die Vergebung der Sünden, Gottes Gnade und das ewige Leben all denen, die glauben, dass Christus an ihrer Statt gelitten hat.

Für gewöhnlich werden dabei die Gebote, einschließlich des höchstens Gebots, der Nächstenliebe als Gesetz bezeichnet. Die Einladung zum Glauben hingegen, sowie die dazugehörigen Verheißungen als Evangelium. Entsprechend besteht die gesamte Heilige Schrift aus Gesetz und Evangelium, und muss dementsprechend auch an die Christen ausgeteilt werden (vgl. 2 Tim 2,15).